Spielen - warum wir am besten klingen, wenn wir uns im spiel verlieren

Spielen – etwas, das wir als Kinder ganz selbstverständlich konnten

Als Kinder mussten wir nicht lernen zu spielen.

Wir taten es einfach.

Wir konnten uns stundenlang in einer Fantasiewelt verlieren, Geschichten erfinden, Rollen ausprobieren und völlig in einer Tätigkeit aufgehen. Dabei spielte es keine Rolle, wie wir wirkten oder ob wir etwas „richtig“ machten.

Wir waren einfach da.

Im Moment.

Und genau dort entstand etwas Magisches.

Wann haben wir aufgehört zu spielen?

Irgendwann beginnen wir, uns selbst zu beobachten.

Wir fragen uns:
Wie wirke ich?
Was denken die anderen?
Mache ich es richtig?
Klinge ich gut genug?

Plötzlich steht nicht mehr die Erfahrung selbst im Mittelpunkt, sondern die Bewertung von aussen.

Gerade beim Singen und Sprechen begegnet mir das immer wieder.

Menschen möchten alles richtig machen. Sie kontrollieren ihre Stimme, achten auf jede Kleinigkeit und verlieren dabei manchmal genau das, was sie eigentlich ausdrücken wollten.

Die Freude.

Die Lebendigkeit.

Die Verbindung zum Moment.

Im Spiel verlieren wir uns – und finden uns gleichzeitig

Vielleicht ist genau das das Wunder des Spielens:

Wir vergessen uns selbst.

Nicht im Sinne von „wir sind nicht mehr da“, sondern im Gegenteil.

Wir werden ganz präsent.

Wir tauchen so tief in eine Tätigkeit ein, dass der innere Kritiker leiser wird. Wir hören auf zu überlegen, wie wir wirken, und beginnen einfach zu erleben.

Und genau in diesen Momenten entsteht oft etwas Echtes.

Eine Stimme, die nicht gemacht ist.

Eine Stimme, die fliesst.

Was das mit Singen zu tun hat

Viele Menschen beginnen mit dem Singen, weil sie Freude daran haben.

Sie lieben Musik.
Sie lieben Geschichten.
Sie lieben es, Gefühle auszudrücken.

Doch sobald der Anspruch dazukommt, alles perfekt machen zu wollen, geht diese Leichtigkeit manchmal verloren.

Dabei sind es oft die Sängerinnen und Sänger, die sich trauen zu spielen, die uns am meisten berühren.

Sie experimentieren.
Sie probieren aus.
Sie erlauben sich Fehler.
Sie lassen sich überraschen.

Und genau dadurch entsteht Lebendigkeit.

Auch beim Sprechen dürfen wir spielen

Spielen bedeutet nicht, etwas nicht ernst zu nehmen.

Es bedeutet vielmehr, neugierig zu bleiben.

Wenn wir über etwas sprechen, das uns wirklich am Herzen liegt, dürfen wir uns darin verlieren.

Wir dürfen lachen.
Wir dürfen begeistert sein.
Wir dürfen berührt sein.

Wir müssen nicht ständig kontrollieren, wie wir wirken.

Denn Menschen erinnern sich selten an perfekt formulierte Sätze.

Sie erinnern sich daran, wie sie sich in unserer Gegenwart gefühlt haben.

Der Flow-Zustand – wenn alles von selbst geschieht

Im Sport spricht man oft vom sogenannten Flow-Zustand.

Es sind diese Momente, in denen plötzlich alles leicht wird.

Die Zeit scheint stillzustehen.
Wir denken nicht mehr über jeden einzelnen Schritt nach.
Wir sind vollkommen im Tun.

Ich glaube, dass wir diesen Zustand auch beim Singen und Sprechen erleben können.

Wenn wir aufhören, jede Note zu kontrollieren.

Wenn wir aufhören, jedes Wort zu überdenken.

Wenn wir dem Moment vertrauen.

Dann beginnt etwas durch uns hindurchzufliessen, das grösser ist als unsere Perfektion.

Die Freude ist hörbar

Kinder spielen nicht, weil sie dadurch besser werden wollen.

Sie spielen, weil es ihnen Freude macht.

Und vielleicht ist genau diese Freude einer der schönsten Wege zu einer freien Stimme.

Denn Freude ist hörbar.

Begeisterung ist hörbar.

Lebendigkeit ist hörbar.

Wenn wir uns erlauben zu spielen, wird unsere Stimme oft wärmer, leichter und unmittelbarer.

Sie beginnt, andere Menschen zu berühren.

Nicht weil sie perfekt ist.

Sondern weil sie echt ist.

Fazit: Vielleicht müssen wir uns nicht verbessern, sondern erinnern

Vielleicht besteht die Aufgabe in der Stimmarbeit nicht darin, immer noch besser zu werden.

Vielleicht geht es manchmal darum, uns daran zu erinnern, was wir als Kinder bereits konnten:

zu spielen,
zu experimentieren,
uns zu verlieren,
im Moment anzukommen.

Denn genau dort entsteht oft die Magie.

Dort, wo wir vergessen, wie wir wirken.

Und einfach ganz da sind.

Mit unserer Stimme.

Mit unserer Freude.

Mit uns selbst.

Stimme stimmt – Vocal Coaching, Gesangsunterricht und Stimmtraining in Flanthey im Wallis, zwischen Sion und Sierre.

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