Der Mut zur Veränderung – und warum es wehtut, wenn’s vorwärts geht
Veränderung ist oft das eigentliche Ziel
Wer ein Stimmtraining beginnt, möchte meistens etwas verändern. Die Stimme soll freier werden, tragfähiger, klarer oder ausdrucksstärker klingen. Vielleicht soll das Singen leichter fallen oder das Sprechen selbstverständlicher werden.
Veränderung ist also häufig der eigentliche Grund, weshalb wir überhaupt beginnen zu üben.
Und trotzdem fällt Veränderung vielen Menschen schwer.
Menschen lieben Gewohnheiten
Wir sind Gewohnheitstiere. Unser Alltag besteht aus Abläufen, Mustern und Routinen, die uns Sicherheit geben. Selbst Gewohnheiten, die uns nicht guttun, fühlen sich oft vertraut an und werden deshalb beibehalten.
Neues hingegen fordert uns heraus. Es ist ungewohnt und nicht vorhersehbar. Der Körper und der Geist reagieren darauf nicht selten mit Widerstand.
Das zeigt sich auch im Stimmtraining. Neue Bewegungen fühlen sich zunächst fremd an. Eine andere Atemweise kann ungewohnt sein. Eine freiere Stimme klingt manchmal im ersten Moment sogar weniger vertraut als die alte.
Entwicklung braucht die Bereitschaft, Altes loszulassen
Jede Veränderung bringt auch einen Abschied mit sich. Um etwas Neues zu lernen, muss etwas Altes losgelassen werden.
Das kann eine Gewohnheit sein, eine bestimmte Vorstellung von der eigenen Stimme oder die Art und Weise, wie man bisher geatmet hat. Fast jeder wünscht sich bessere Haltung oder einen sicheren Stand - doch das loslassen des Alten, geliebten, ist etwas, was uns schmerzt.
Es kann Unsicherheit auslösen und manchmal sehr frustrierend sein. Gerade in Lernprozessen gibt es Phasen, in denen das Alte nicht mehr richtig funktioniert und das Neue noch nicht selbstverständlich geworden ist. Man fühlt sich sogar noch weiter vom Ziel entfernt als am Anfang, und fragt sich, warum man überhaupt angefangen hat.
Geanu diese Übergangsphase gehört jedoch zur Entwicklung dazu.
Mit Offenheit ins Training gehen
Deshalb ist es hilfreich, schon zu Beginn eines Coachings mit der Haltung einzusteigen: Ja, es wird wahrscheinlich Momente geben, in denen es unangenehm wird. Ja, ich werde vielleicht Widerstand spüren. Und ja, genau das gehört zum Prozess dazu.
Wer damit rechnet, dass neue Erfahrungen zunächst irritieren dürfen, begegnet ihnen oft mit mehr Gelassenheit. Der innere Widerstand wird kleiner und die Bereitschaft, sich auf den Prozess einzulassen, grösser.
Denn der Moment, in dem wir aufhören, gegen die Veränderung anzukämpfen, ist der Moment, in dem wir Fortschritte machen und uns - und somit unsere Stimme - entwickeln.
Gerade beim Singen und in der Stimmarbeit geschieht Entwicklung selten von heute auf morgen. Sie entsteht Schritt für Schritt und braucht Zeit, Wiederholung und Vertrauen.
Fazit: Veränderung beginnt mit Erlaubnis
Veränderung bedeutet nicht, jemand anderes werden zu müssen. Vielmehr geht es darum, neue Möglichkeiten zu entdecken und sich zu erlauben, Gewohntes zu hinterfragen.
Wer sich die Erlaubnis gibt, sich zu verändern, schafft oft die wichtigste Voraussetzung für Entwicklung.
Auch die Stimme kann sich nur dort entfalten, wo sie die Freiheit bekommt, neue Wege auszuprobieren und sich anders klingen zu lassen als bisher.
Stimme stimmt – Vocal Coaching, Gesangsunterricht und Stimmtraining in Flanthey im Wallis, zwischen Sion und Sierre.