Raum einnehmen – Und was der Brustkorb mit unserer Stimme zu tun hat
Nimmst du deinen Platz ein?
Wenn wir auf einer Bühne stehen, vor Menschen sprechen oder ein Konzert geben, geht es nicht nur darum, was wir sagen oder singen. Es geht auch darum, wie wir körperlich im Raum stehen.
Nehmen wir unseren Platz ein?
Gerade als Frauen kennen viele von uns dieses Gefühl, sich eher klein zu machen. Vielleicht aus Unsicherheit, vielleicht aus der Angst, nicht gut genug zu sein oder aufzufallen. Das Imposter-Syndrom kann dabei eine Rolle spielen: Wir zweifeln an uns selbst und haben das Gefühl, eigentlich gar nicht so viel Raum einnehmen zu dürfen.
Diese innere Haltung zeigt sich oft auch körperlich. Wir ziehen die Schultern hoch oder nach vorne, machen uns kleiner und ziehen den Brustkorb zusammen. Der ganze Körper nimmt weniger Platz ein - und leider ist dann auch die kraftvolle Stimme weg.
Der Brustkorb als Raum für die Stimme
Raum einnehmen bedeutet nicht, dass wir uns künstlich gross machen müssen. Es geht vielmehr darum, dem Körper wieder den Raum zu geben, den er tatsächlich hat und auch braucht, um voll aufzugehen. Gerade auf einer Bühne ist das entscheidend. Denn wenn der Körper keinen Platz einnimmt, kann auch die Stimme diesen Raum nicht einnehmen.
Ein wichtiger Bereich ist dabei der Brustkorb. Der Brustkorb besteht aus den Rippen und ist ein beweglicher Teil unseres Atemsystems. Durch unseren Alltag, viel Sitzen, Stress und Anspannung wird dieser Bereich jedoch bei vielen Menschen zunehmend unbeweglich. Die Rippen bewegen sich weniger, die Muskulatur rund um den Brustkorb wird angespannt und der ganze Oberkörper zieht sich zusammen und wird enger.
Dabei brauchen wir beim Sprechen und Singen genau diesen Raum.
Wenn der Brustkorb eng und der Körper zusammengezogen ist, fühlt sich oft auch die Stimme enger an. Es fehlt an Weite und Resonanz.
Wenn wir dagegen lernen, den Körper zu öffnen und den Brustkorb wieder frei zu bewegen, entsteht mehr Raum für die Atmung und für die Resonanz der Stimme.
Das kann man auch als Zuhörer oder Zuschauer wahrnehmen.
Durch gezielte Übunge können wir lernen, den Brustkorb wieder zu öffnen und beweglicher werden zu lassen. Wir können wieder mehr in den gesamten Brustkorb atmen und dadurch körperlich erfahren, was es bedeutet, Raum einzunehmen.
Wenn der Körper mehr Raum bekommt, verändert sich auch die Stimme
Gerade beim Präsentieren, Vortragen oder Singen vor anderen Menschen versuchen wir oft zuerst, unsere Stimme zu verändern. Wir möchten lauter, sicherer oder überzeugender klingen.
Ein guter Anfang kann aber viel einfacher sein: beim Körper.
Wie stehe ich gerade da?
Wie viel Raum gebe ich meinem Brustkorb?
Kann ich frei atmen?
Kann ich mich körperlich erlauben, grösser zu werden?
Denn wenn wir körperlich beginnen, unseren Platz einzunehmen, verändert sich oft auch unser stimmlicher Ausdruck. Die Stimme bekommt mehr Raum und kann sich freier im Raum bewegen.
Und plötzlich spüren die Menschen vor uns: Da steht jemand, der wirklich da ist.
Eine einfache Übung für mehr Raum im Brustkorb
Wie lässt sich der Brustkorb konkret öffnen und wieder beweglicher machen?
Dazu habe ich eine einfache Übung vorbereitet, mit der du deinen Brustkorb mobilisieren und deine Atmung bewusster wahrnehmen kannst.
Das Video zur Übung findest du hier:
Nimm dir ein paar Minuten Zeit und beobachte dabei nicht nur, was sich körperlich verändert. Achte auch darauf, wie sich deine Stimme danach anfühlt.
Denn manchmal beginnt das Einnehmen des eigenen Platzes tatsächlich ganz einfach damit, dem eigenen Körper wieder mehr Platz zu geben.
Stimme stimmt – Vocal Coaching, Gesangsunterricht und Stimmtraining in Flanthey im Wallis, zwischen Sion und Sierre.