Weniger ist mehr – warum wir auf der Bühne nicht mehr leisten müssen, als wir sind

Wenn wir plötzlich das Gefühl haben, performen zu müssen

Kennst du das? Du sitzt in einem Meeting, jemand gibt dir das Wort, und plötzlich hast du das Gefühl, jetzt musst du zeigen, was du kannst. Oder du stehst auf einer Bühne und denkst, dass du jetzt noch etwas drauflegen musst, damit dein Auftritt wirklich überzeugt.

Dabei passiert häufig genau das Gegenteil von dem, was wir erreichen möchten. Wir werden angespannter, unsere Stimme klingt weniger natürlich und unser Auftreten wirkt plötzlich anders als sonst.

Wir sind bereits gut genug

Wenn wir uns mit jemandem in der Kaffeepause unterhalten, mit unserem Partner sprechen oder zu Hause für uns am Klavier singen, denken wir normalerweise nicht darüber nach, wie wir wirken. Wir sprechen und singen einfach so, wie es gerade aus uns herauskommt.

Diese Stimme kennen wir. Sie ist vertraut, natürlich und gehört zu uns.

Sobald wir jedoch vor anderen Menschen stehen, glauben wir oft, dass diese Stimme nicht mehr ausreicht. Wir meinen, lauter, selbstsicherer, ausdrucksstärker oder überzeugender sein zu müssen.

Dabei ist uns im Meeting nicht ohne Grund das Wort gegeben worden. Wir stehen nicht ohne Grund auf einer Bühne. Die Menschen um uns haben uns eingeladen, uns zu zeigen, wie sie uns kennen. Wir müssen nicht plötzlich jemand anderes werden, um diesem Anspruch gerecht zu werden.

Wenn wir anfangen, eine Vorstellung nachzuspielen

Das Problem entsteht häufig dann, wenn wir versuchen, einer bestimmten Vorstellung zu entsprechen. Wir haben ein Bild davon, wie ein selbstsicherer Mensch spricht, wie eine erfolgreiche Führungskraft auftritt oder wie ein Künstler auf der Bühne sein sollte.

Unbewusst beginnen wir, dieses Bild nachzuahmen. Wir sprechen vielleicht etwas tiefer, betonen unsere Worte stärker oder setzen Gesten ein, die sich für uns gar nicht natürlich anfühlen. Wir spielen eine Rolle, statt einfach wir selbst zu sein.

Das kann dazu führen, dass wir übertreiben. Was ursprünglich souverän wirken sollte, erscheint plötzlich aufgesetzt. Was überzeugen sollte, wirkt weniger glaubwürdig. Und manchmal verlassen wir die Bühne oder das Meeting mit dem Gefühl, zu viel gemacht oder Dinge gesagt zu haben, die eigentlich gar nicht zu uns passen.

Wir haben versucht, etwas darzustellen, statt das zu zeigen, was bereits da ist.

Weniger machen bedeutet nicht, weniger zu können

Weniger ist mehr bedeutet nicht, dass wir uns zurückhalten oder unser Können verstecken sollen. Es bedeutet, dass wir nicht ständig etwas hinzufügen müssen, um gut zu sein.

Gerade in der Stimmarbeit geht es oft darum, unnötige Spannung und Kontrolle loszulassen. Die Stimme darf wieder so klingen, wie sie klingt, wenn wir nicht versuchen, sie besonders eindrucksvoll zu machen.

Das braucht Mut. Denn wenn wir aufhören, etwas darzustellen, fühlen wir uns im ersten Moment vielleicht weniger beeindruckend. Wir haben das Gefühl, dass etwas fehlt.

Doch dieses Gefühl bedeutet nicht unbedingt, dass tatsächlich etwas fehlt. Vielleicht sind wir es einfach gewohnt, mehr zu machen, als nötig wäre.

Auf der Bühne wieder bei uns selbst ankommen

Wenn wir das nächste Mal in einem Meeting das Wort ergreifen oder auf einer Bühne stehen, kann es helfen, uns daran zu erinnern, dass wir nichts beweisen müssen. Wir dürfen sprechen, wie wir sprechen. Wir dürfen singen, wie wir singen. Nicht, wie wir uns vorstellen, wie wir sprechen oder singen sollten. Und wir dürfen darauf vertrauen, dass das, was wir mitbringen, bereits einen Wert hat.

Die Aufgabe besteht nicht darin, eine perfekte Vorstellung davon zu erfüllen, wie wir sein sollten. Sie besteht darin, wirklich präsent zu sein und uns mit dem zu zeigen, was wir zu sagen oder zu singen haben.

Denn oft braucht es gar nicht mehr. Es braucht nur weniger von dem, was wir zusätzlich zum Bestehenden “aufpfropfen” wollen.

Stimme stimmt – Vocal Coaching, Gesangsunterricht und Stimmtraining in Flanthey im Wallis, zwischen Sion und Sierre.

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